Kundgebung für Charlie Hebdo, 07.01.2015


11.01.2015

Als Reaktion auf den Anschlag auf das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ fand am 07.01.2015 eine Kundgebung vor der französischen Botschaft beim Schwarzenbergplatz in Wien statt. Es kamen ungefähr 250 Teilnehmer, vorwiegend studentisch geprägte Kleinbürger.


RED*REVOLUTION erhielt eine Nachricht einer autonomen Gruppe, dass zu der Aktion auch Identitäre erscheinen würden. Wir fuhren zu der Kundgebung, mit dem Plan die Identitären daran zu hindern weiter Boden in der nationalen, patriotischen Szene zu gewinnen. Tatsächlich waren wir die einzigen, die sichtbar organisiert auftraten – kein Autonomer gab sich zu erkennen. Es war daher nur möglich die Kundgebung weiter zu beobachten.


Eine wichtige Lehre aus der Aktion am 07.01. konnten wir sofort ziehen. In Wien hat innerhalb der letzten Jahre die offen pro-westliche und islamfeindliche Strömung eindeutig Zuwachs bekommen. Es wurden mehrere Schilder mit muslimfeindlichen Slogans gehalten – wir selbst waren durch unsere Palästinensertücher schon auffällig. Die Flashmob-Aktion konnte mehrere hundert Leute anziehen. Was wäre gewesen wenn die Organisatoren mehr Zeit gehabt hätten?


Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit dem internationalen Klassenkampf. Die imperialistischen Großmächte, darunter Westeuropa machen gerade im großen Stil gegen „Terror“, „Islamismus“ und Muslime mobil. Kein Tag vergeht, an dem nicht vor unfassbaren Barbareien der „IS-Terroristen“ gewarnt wird. Tatsächlich decken diese Nachrichten das militärische Vorgehen von Frankreich, USA, Deutschland usw. die im Namen der Freiheit und Demokratie Massenmord an vielen Völkern in Afrika und im Nahen Osten begehen. Weitaus brutaler als es jeder Islamische Staat könnte. Aus dieser Situation der imperialistischen Anspannung für weitere Kriege konnten sich Bewegungen wie die Identitären oder PEGIDA – „Patriotische Europäer Gegen Die Islamisierung des Abendlandes“ – entwickeln. Und während die nationalistische Bewegung PEGIDA in Deutschland ihr Unwesen treibt, kann sich Österreich nicht den Gesetzen des internationalen Klassenkampfes entziehen. Auch dort sind inzwischen Ableger der PEGIDA-Bewegung entstanden. Die stärkste ist offensichtlich der Ableger in Wien, der aktuell einen Aufruf zu einer Aktion am 02.02. veröffentlicht hat. Kurz gesagt: Der massive Rechtsruck in rückschrittlichen Teilen der Massen in Europa kommt jetzt in Österreich an. Das Publikum beim Flashmob vor der französischen Botschaft ist der Stoff, aus dem eine Massenbewegung wie PEGIDA erwachsen kann.


Die Aktion war spontan organisiert. Es gab offensichtlich kein wirkliches Programm, einige Teilnehmer hatten Kerzen und Lichter bei sich. Einer der beiden offiziellen Organisatoren ist uns schon länger bekannt, und durfte die Hauptperson unserer zweiten Lehre sein. Sein Name ist Nathan A.

Wir lernten Nathan A. kennen als einen Organisator mehrerer Aktionen im September 2014 gegen Maximilian Krauss, dem Kandidaten der FPÖ für einen Posten im Stadtschulrat in Wien. Dabei wurde uns schon seine Nähe zu Hashomer Hatzair bekannt, einer zionistischen Jugendgruppe, die die furchtbaren Verbrechen Israels unterstützt. Es handelt sich übrigens um die gleiche FPÖ, die sich öffentlich für die PEGIDA-Bewegung aus spricht und die in gewissen Fällen eine Zusammenarbeit mit den Identitären eingeht. Diese FPÖ wiederum sucht wo es nur möglich ist die Nähe zu Israel und unterstützt sie im „Kampf gegen Islamismus“. So schließt sich dieser unheilige und rückschrittliche Kreis an Rechten.


Ein weiteres Mal begleitete er im November 2014 Autonome während einer Gegendemonstration in Traiskirchen in Niederösterreich, um eine FPÖ-Kundgebung zu stören. Während Nathan also bis jetzt versuchte, als Anti-Rassist aufzutreten war er tatsächlich gestern ein Organisator einer Kundgebung die von offen muslimfeindlichen und pro-westlichen Kräften unterstützt wurde, darunter auch die Identitären.


Wir halten es für notwendig Klarheit zu schaffen. Deswegen fordern wir eine Stellungnahme von Nathan A. zu den aktuellen Ereignissen:


1. War sich Nathan A. bewusst, dass Burschenschafter und Identitäre zu der Kundgebung aufgerufen hatten?Wenn nein, wie war es möglich, dass er sie dann auf der Kundgebung selbst einfach ignorierte obwohl er wusste, dass sie unter den Teilnehmer waren?


2. Warum ist es für Nathan A. vereinbar eine Demonstration gegen die FPÖ zu unterstützen und nach ein paar Monaten keine Scheu zu haben, auf der gleichen Kundgebung mit Identitären zu stehen?


3. Auf welcher Seite wird Nathan A. in Zukunft stehen, wenn es um Veranstaltungen mit offensichtlich musimfeindlichen, pro-französischen oder pro-deutschen Hintergrund geht? Wird er selbst weiter welche organisieren?


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